August 15, 2011 · 0 Kommentare
Eurobonds: Anleihen für den gemeinsamen Währungsraum
Noch sind sie Zukunftsmusik, bald könnten alle Länder des Euro-Währungsraums mit ihnen konzertant gehen: Eurobonds.
Das sind Anleihen, durch welche die Länder der Eurozone gemeinsam Schulden am Finanzmarkt aufnehmen können. Die teilnehmenden Staaten haften gesamtschuldnerisch und bekommen die benötigte Liquidität zu gleicher Kreditlast.
Während noch heute Staaten mit geringer Schuldenquote (Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt) Geld zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt leihen können, ist das bei Euro-Ländern mit hoher Schuldenquote, wie Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien anders:
Sie müssen sich ihre Kredite teuer erkaufen und entkommen so nur schwer der Spirale hin zu noch höherer Staatsverschuldung. Die Schieflage dieser Staaten entstand als Folge der Finanzkrise 2008, bei die Regierungen überproportional neue Schulden zur Stützung der Banken und zur Ankurbelung der Wirtschaft aufnehmen mussten.
Aktuell liegen verschiedene Vorschläge zur Realisierung von Eurobonds vor. Unter anderem ist vorgesehen, dass eine neue Institution, die sogenannte Europäische Schuldenagentur, die Ausgabe der Anleihen übernimmt.
Jeder der teilnehmenden Staaten kann Euro-Anleihen bis zu einem bestimmten Prozentsatz des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausgeben (hier sind Schuldenquoten von 40 % bis 60% des BIP im Gespräch). Nimmt ein Staat darüber hinaus weitere Schulden auf, trägt er die am Finanzmarkt erhobenen Konditionen und die Haftung selbst.
Eurobonds werden aktuell insbesondere von Deutschland, Österreich und Frankreich mit den Begründungen abgelehnt, dass damit der Anreiz für verantwortungsvolle Fiskalpolitik der einzelnen Euro-Staaten sinken würde. Für wirtschaftlich starke Staaten, wie eben Deutschland und Frankreich, würden Eurobonds nach Meinung der Kritiker zu einer höheren Kreditlast führen, da sie nun das Kreditrisiko der schwächeren Staaten mittragen müssten. Befürworter argumentieren mit günstigen Zinskonditionen für alle Teilnehmerländer, da mit diesem Schritt die Ausgabe von Anleihen mit höchster Bonität an der Kapitalmärkten spürbar und dauerhaft gesteigert würde.
Vergleichbar im weitesten Sinne sind Eurobonds mit den bereits praktizierten Länderfinanzausgleich zwischen den Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland, bei dem strukturstarke Bundesländer Mittel an strukturschwächere abgeben, damit letztere zur Erfüllung ihrer jeweiligen Staatsaufgaben befähigt sind.
Autor: Menshelp